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27. Juni 20267 min readSchweizer Arbeitsmarkt

Lohnvorstellung in der Bewerbung: Wann und wie du sie in der Schweiz angibst

Wann die Lohnvorstellung in die Bewerbung gehört, wie du sie schweizerisch formulierst (Bruttojahreslohn, 13. Monatslohn) und wie du deinen Marktwert mit dem offiziellen Lohnrechner Salarium recherchierst.

Autor: preparAItor Team

Kaum ein Satz in der Bewerbung wird so oft umgeschrieben wie die Lohnvorstellung. Zu hoch, und du fliegst aus dem Rennen; zu tief, und du verkaufst dich jahrelang unter Wert. Dazu kommt die Begriffsverwirrung: Was in Deutschland die «Gehaltsvorstellung» im Bewerbungsschreiben ist, heisst in der Schweiz «Lohnvorstellung» — und folgt eigenen Regeln, angefangen beim 13. Monatslohn.

Die gute Nachricht: Die Spielregeln sind klar, sobald man sie kennt. Dieser Beitrag zeigt, wann die Lohnvorstellung überhaupt in die Bewerbung gehört, wie du die Lohnvorstellung in der Bewerbung schweizerisch formulierst, wie du mit dem offiziellen Lohnrechner des Bundes einen belastbaren Wert recherchierst — und wie das Thema im Vorstellungsgespräch typischerweise abläuft.

TL;DR - Quick Summary

Kurz gefasst:

  • Lohnvorstellung nur angeben, wenn danach gefragt wird — verlangt es die Stellenanzeige, gehört ein Satz in den Begleitbrief oder ins Formularfeld; sonst wartet das Thema aufs Gespräch
  • Schweizer Format: Bruttojahreslohn in CHF — und immer dazusagen, ob der 13. Monatslohn eingerechnet ist
  • Der 13. Monatslohn ist sehr verbreitet, aber nicht gesetzlich vorgeschrieben — er gilt, wenn Arbeitsvertrag oder GAV ihn vorsehen
  • Eine realistische Spanne schlägt meist die einzelne Zahl — nenne aber nur eine Untergrenze, die du wirklich akzeptieren würdest
  • Erst recherchieren: der offizielle Lohnrechner Salarium des Bundesamts für Statistik zeigt übliche Bruttolöhne für Funktion, Region und Erfahrung
  • Sprich deine Zahl laut aus, bevor es ernst gilt — ruhiges, sachliches Nennen ist die halbe Verhandlung

Nur wenn die Anzeige danach fragt

Der häufigste Fehler: eine Lohnvorstellung liefern, nach der niemand gefragt hat. In der Schweiz gilt eine einfache Konvention:

  • Die Anzeige verlangt sie ausdrücklich («Bitte geben Sie Ihre Lohnvorstellung an»): Dann gehört sie hinein. Wer danach fragt, nutzt die Angabe als Filterkriterium — und eine Bewerbung, die eine klare Anweisung ignoriert, wirkt unsorgfältig. Ein Satz gegen Ende des Motivationsschreibens oder das dafür vorgesehene Formularfeld genügt.
  • Die Anzeige schweigt zum Lohn: Dann lass die Angabe im Brief komplett weg. Das Thema gehört ins Gespräch und wird üblicherweise vom Arbeitgeber angesprochen, meist im ersten oder zweiten Interview. Wer es unaufgefordert auf Seite eins platziert, signalisiert, dass der Lohn die Hauptmotivation ist.
  • Nie in den CV. Der Lebenslauf dokumentiert, was du geleistet hast — nicht, was du verdienen willst.

Ist das Lohnfeld im Online-Formular Pflicht und du willst dich nicht früh festlegen: Trag eine recherchierte Spanne ein statt einer Ausweichfloskel. «Nach Vereinbarung» in einem Pflicht-Zahlenfeld ärgert Recruiter mehr, als es dir nützt.

Das Schweizer Format: brutto, jährlich, in CHF

Wenn du eine Zahl nennst, zählen drei Konventionen:

  1. Brutto, nicht netto. Lohngespräche drehen sich in der Schweiz immer um den Bruttolohn — vor Sozialabzügen, Pensionskassenbeiträgen und Steuern.
  2. Jahreslohn, nicht Monatslohn. Nenne einen Brutto-Jahresbetrag in CHF. Monatszahlen stiften Verwirrung — genau wegen des 13. Monatslohns.
  3. Sag, was deine Zahl umfasst. Präzisiere, ob der 13. Monatslohn eingerechnet ist, und bei Teilzeitstellen, auf welches Pensum sich die Zahl bezieht (z. B. «bei 100%»).

Zum 13. Monatslohn

Viele Schweizer Arbeitgeber zahlen den Jahreslohn in dreizehn Raten aus: eine pro Monat plus eine Zusatzrate, meist gegen Jahresende. Einen allgemeinen gesetzlichen Anspruch auf den 13. Monatslohn gibt es nicht — er gilt, wenn Arbeitsvertrag oder Gesamtarbeitsvertrag (GAV) ihn vorsehen, was in der Praxis sehr verbreitet ist, wie der Berufsverband Angestellte Schweiz erklärt. Einmal vereinbart, ist er fester Lohnbestandteil und keine freiwillige Gratifikation.

Für deine Bewerbung heisst das: Unklarheit kostet Geld. «CHF 90'000» kann 12 × 7'500 bedeuten oder 13 × 6'923. Schreib deshalb immer «brutto pro Jahr, inkl. 13. Monatslohn» (oder «exkl.») — und stell bei jedem Angebot dieselbe Rückfrage.

Spanne oder Zahl?

Beides ist in der Schweiz üblich; die Signale unterscheiden sich.

SpanneEinzelne Zahl
SignalFlexibel, offen fürs GesamtpaketSelbstbewusst, kennt den eigenen Marktwert
RisikoArbeitgeber verankern sich an der UntergrenzeWeniger Spielraum, wenn der Fit nicht perfekt ist
Passt am bestenIm Brief oder Formular, früh im ProzessIm Gespräch, wenn du den Umfang der Rolle kennst

Praktikabel ist die Kombination: eine realistische, eher enge Spanne in der schriftlichen Bewerbung — und eine präzise Zielzahl fürs Gespräch. Zwei Regeln für Spannen:

  • Die Untergrenze muss ein Betrag sein, für den du tatsächlich unterschreiben würdest. Rechne damit, dass die Verhandlung dorthin tendiert.
  • Halte die Spanne glaubwürdig eng. Eine sehr breite Spanne sagt: «Ich weiss nicht, was ich wert bin.»

Deinen Marktwert recherchieren

Eine Lohnvorstellung ist nur so stark wie die Recherche dahinter. In der Schweiz gibt es dafür ein ungewöhnlich gutes offizielles Werkzeug.

Salarium — der Lohnrechner des Bundes

Salarium, der statistische Lohnrechner des Bundesamts für Statistik (BFS), berechnet den üblichen Bruttomonatslohn — den Medianwert samt Bandbreite — für eine konkrete Arbeitsstelle auf Basis der schweizerischen Lohnstrukturerhebung. Du wählst Grossregion, Branche und Berufsgruppe sowie dein persönliches Profil (Alter, Ausbildung, Dienstjahre, Pensum) und bekommst ein statistisch fundiertes Bild davon, was Leute wie du in Stellen wie dieser verdienen. Der Rechner ist gratis, viersprachig und läuft direkt unter salarium.bfs.admin.ch.

Zwei Tipps für die Nutzung: Rechne mit der Region der Stelle, nicht mit deinem Wohnort — dieselbe Funktion wird in Zürich, im Tessin und im Espace Mittelland unterschiedlich bezahlt. Und denk daran: Salarium zeigt Monatswerte; rechne auf den Jahreslohn hoch, bevor du eine Zahl nennst.

Ergänzende Quellen

  • Gesamtarbeitsverträge (GAV): Kennt deine Branche einen GAV, definiert er oft Mindestlöhne nach Funktion und Erfahrung — eine harte Untergrenze für deine Spanne.
  • Berufs- und Branchenverbände: Viele publizieren Lohnempfehlungen oder Mitgliederumfragen für ihr Feld.
  • Stellenportale und Personalberater: Lohntools der grossen Schweizer Jobportale und ein offenes Gespräch mit einem Recruiter liefern aktuelle Marktfarbe, die der Statistik voraus ist.

Beispielsätze

Die Beträge unten sind reine Platzhalter — setze den Wert ein, den deine eigene Recherche stützt.

  1. «Meine Lohnvorstellung liegt bei einem Bruttojahreslohn von CHF 90'000 bis 96'000, inklusive 13. Monatslohn.»
  2. «Basierend auf meiner Erfahrung und dem aktuellen Marktumfeld stelle ich mir einen Jahreslohn zwischen CHF 85'000 und 92'000 brutto vor. Über die Details spreche ich gerne im persönlichen Gespräch.»
  3. «Für diese Position erwarte ich einen Bruttojahreslohn von rund CHF 105'000 (bei einem Pensum von 100%); wichtiger als die exakte Zahl ist mir das Gesamtpaket.»
  4. Im Gespräch: «Ich habe mich für diese Funktion und Region am Markt orientiert: Mein Zielwert liegt bei CHF 95'000 brutto pro Jahr, inklusive 13. Monatslohn — wie passt das in Ihr Budget für die Stelle?»

Lohn im Vorstellungsgespräch

In den meisten Schweizer Bewerbungsprozessen spricht der Arbeitgeber den Lohn an — oft kurz im ersten Gespräch («Was ist Ihre Lohnvorstellung?») und vertieft im zweiten. Ein paar Grundsätze:

  • Weich der Frage nicht aus. Nenne deine recherchierte Zahl oder Spanne ruhig, ergänze einen Satz Begründung (Marktdaten, deine Erfahrung) — und dann schweige. Stille nach einer Zahl ist Verhandlung, nicht Peinlichkeit.
  • Denk in Gesamtvergütung. 13. Monatslohn, Bonusmodelle, überobligatorische Pensionskassenbeiträge, Ferientage, Weiterbildungsbudget und flexible Arbeitsmodelle haben echten Wert. Ist der Grundlohn gedeckelt, verhandle das Paket.
  • Verankere dich nicht am alten Lohn. Dein bisheriger Lohn ist Kontext, keine Obergrenze. Entscheidend ist, was diese Rolle in dieser Region bei diesem Arbeitgeber wert ist.
  • Übe laut. Die meisten haben noch nie den Satz «fünfundneunzigtausend Franken» über sich selbst ausgesprochen. Das erste Mal sollte nicht im echten Gespräch sein. Unser Interviewvorbereitungs-Guide und die 30 häufigsten Interviewfragen in der Schweiz helfen dir, genau solche Fragen in eine Übungsroutine zu packen.

Wo preparAItor hilft

preparAItor sagt dir nicht, was du wert bist — dafür sind Salarium und deine Recherche da. Aber es hilft dir, die Zahl gut zu liefern:

  • Der Lohnsatz, natürlich platziert. Verlangt eine Anzeige die Lohnvorstellung, gibt dir ein auf genau diese Stelle zugeschnittenes, generiertes Motivationsschreiben einen stimmigen Schlussabschnitt, in den sich dein recherchierter Wert als ein sauberer Satz einfügt — statt als Fremdkörper am Ende einer Vorlage zu kleben.

Quellen

Tags

LohnvorstellungLohnverhandlungBewerbungSchweiz

About the Autor

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